BEE-life Logo
bee-life-banner-03.jpg
Imker Frank Geggus

In der Kreiszeitung Böblinger Bote, Ausgabe 15.3.2019, ist ein Artikel über Frank Geggus / BEE-life erschienen, den wir Ihnen, mit freundlicher Genehmigung des Verlages, nicht vorenthalten möchten. Artikel von Isabelle Zeiher, Foto von Thomas Bischof.

„Mit 50 hatte ich Bock auf was Neues“ – Frank Geggus ist Hobbyimker, isst zum Frühstück lieber Müsli als Honigbrote und bringt mit seinem Start-up Bienen an Unternehmen.

Der 52-jährige Böblinger Frank Geggus imkert seit zwei Jahren hobbymäßig. Vergangenes Jahr kam ihm eine Geschäftsidee, mit der er seine Leidenschaft zum Beruf machen möchte. Sein Start-up vermietet Bienenvölker an Unternehmen.

Wer durch den Schrebergarten am Rande von Magstadt spaziert, hört ein beständiges Summen und Brummen. Es erinnert an Sonnenstrahlen, Sommer und Schwimmbad. Schließt der Passant dann die Augen und lässt seiner Fantasie freien Lauf, steigt ihm ein süßlicher Duft in die Nase, und er bekommt Lust auf ein Toast mit einer dicken Schicht Honig. Der Ursprung der Geräuschkulisse: zwölf braune, bierkastengroße Holzbehälter in denen 150 000 schwarz-gelb gemusterte Honigbienen ein- und ausfliegen.

In weißen Klamotten steht Frank Geggus vor den Bienenstöcken. „Ich habe mich heute passend angezogen“, sagt er und lacht. Während dunkle Klamotten irritieren, hat die Farbe Weiß eine beruhigende Wirkung auf die kleinen Tierchen. „Das ist aber nicht die volle Montur“, erläutert er, „normalerweise trage ich einen Imkeranzug mit Schutzschleier.“

Geggus arbeitet hauptberuflich als Urheberspezialist, das sei so etwas ähnliches wie ein Bildredakteur, sagt der Böblinger. Er kauft Fotos bei Anbietern, klärt die Bildrechte und gibt außerdem Seminare zum Thema Urheberrecht. Seit zwei Jahren imkert er in seiner Freizeit – das mache ihm viel mehr Spaß. Für Geggus ist es nicht mehr nur ein Hobby, sondern eine Leidenschaft. Blut, oder besser gesagt, Honig hat er geleckt und da kam ihm im vergangenen Jahr die Idee. „Es gab immer wieder Anfragen von verschiedenen Einrichtungen an unseren Imkerverein, die gerne Honigbienen bei sich auf dem Gelände hätten“, erinnert sich Geggus, „als ich mitbekommen habe, dass es viele Leute gibt, die etwas sinnvolles für die Natur machen wollen und gerne Bienen aufnehmen würden, hatte ich den Impuls, den ich brauchte.“

Er gründete sein eigenes Start-Up „bee- life“. Das Konzept richtet sich an Unternehmen. Geggus vermietet die kleinen, fleißigen Arbeiterinnen an Mittelständler zu einem monatlichen Fixbetrag. Im Böblinger Bienenverein hat Geggus seinen „Imkervater“, wie er Oskar Stefani liebevoll nennt, kennengelernt. Stefani hat 68 Bienenvölker. „Deswegen hole ich mir die freien Mitarbeiterinnen von meinem Mentor. Sich alleine um so viele Bienen zu kümmern, ist unmöglich“, erklärt er, „Oskar hilft mir auch beim Honigschleudern – wir arbeiten im Team, aber es ist mein Geschäft und wenn etwas schiefläuft, halte ich meinen Kopf dafür hin.“ Vom Scheitern ist jetzt aber nicht die Rede, er fängt ja gerade erst an. „Ich habe in Böblingen bereits ein Unternehmen akquiriert“, sagt der Hobby-Imker, „mit anderen großen Firmen bin ich derzeit im Gespräch.“ Mehr könne er noch nicht sagen.

Das Imkern erlebt einen Aufschwung

„Früher bin ich mit 450 PS-Autos durch die Gegend gefahren, aber mit 50 Jahren wird man ruhiger, und ich habe das Imkern angefangen.“ Generell erlebe dieses Hobby einen Aufschwung. „Noch ist der Durchschnitt im Verein bei 56 Jahren“, sagt der Böblinger, „aber der Trend geht weg vom Rentnerhobby, auch junge Menschen steigen in die Imkerei ein.“ An das erste Honigernten erinnert Geggus sich noch ganz genau. „Als ich die Waben aus dem Kasten herausgeholt habe, war es ein wirklich erhebendes Gefühl“, beschreibt der Hobbyimker, „1000 Gedanken sind mir durch den Kopf gegangen. ,Bloß nicht stolpern’, oder ’Lass das Gitter ja nicht fallen’. Als ich den Honig aber hatte, war es wundervoll.“ Dabei ist er selbst überhaupt kein großer Honigfan. „Zum Frühstück esse ich dann doch lieber Müsli.“

Wussten Sie schon, dass …

  • … es Wildbienen seit etwa 60 Millionen Jahren auf unserer Erde gibt
  • … die Königin der Honigbienen im Sommer täglich bis zu 2000 Eier legt
  • … die Bienenkönigin drei bis fünf Jahre und eine Arbeiterbiene im Sommer bis zu 35 Tagen und im Winter etwa fünf bis sechs Monaten lebt.
  • … die Drohnen (männliche Bienen) vom Frühjahr ab bis zu sechs Monate leben. Wenn sie sich paaren, sterben sie nach dem Akt. Falls es nicht zu Paarung kommt, werden sie im Spätsommer von den Arbeiterinnen in der sogenannten „Drohnenschlacht“ einfach aus dem Stock geworfen.
  • … für einen Kilogramm Honig muss die Biene etwa drei Kilogramm Nektar sam- meln und etwa 150 000 Blüten be- suchen. Das entspricht einer Flugleistung von einer sechsfachen Erdumrundung.

Nichts desto trotz – was Bienen angeht ist er Experte. Während er in seinem weißen Outfit auf einer kleinen Holzbank nur wenige Meter entfernt von seinen geflügelten Mitarbeitern sitzt, rattert er einen Fakt nach dem anderen her- unter. „Wussten Sie, dass Bienen zwei Mil- lionen Blüten anfliegen müssen, um 500 Gramm Honig zu produzieren“, „insgesamt ernten die deutschen Imker etwa 15 000 bis 25000 Tonnen Honig pro Jahr – das entspricht aber nur etwa 20 Prozent des Verbrauchs in Deutschland. Der Rest wird aus dem Ausland zugekauft“ oder „aus befruchteten Eiern werden Arbeiterbienen, aus unbefruchteten Eiern männliche Bienen – Drohnen.“ Seine Begeisterung ist spürbar.

Geggus schaut zuversichtlich in die Zukunft. Klar, seine Geschäftsidee klinge romantisch, kleine Bienchen adoptieren, um der Umwelt etwas Gutes zu tun, aber es sei mehr als das. „Unternehmen können so an ihrem Image arbeiten, eine ,grüne Firma’ sein“, sagt der 52-Jährige. In Böblingen gibt es bereits Unternehmen und Institutionen, die darauf setzen und ihre eigenen Bienen haben. Nicht von Geggus, sondern von anderen Imkern. Beispielsweise hat sich die Böblinger Baugesellschaft oder das Landratsamt die fleißigen Tierchen geholt.

„Wenn sich „bee- life“ durchsetzt, dann wird mein Hobby zum Beruf“, sagt Frank Geguss, „da muss ich nicht lange überlegen.“ Für ihn sind die Bienchen mehr als nur Honigproduzenten. Er steht von der Holzbank auf und geht Richtung der Bienenkästen. Seine Hündin läuft ihm auf Schritt und Tritt hinterher. „Stimmt’s Molly, wir möchten, dass es unseren Bienen gut geht“, sagt der Imker, streichelt den Vierbeiner und lacht, „und du bist unser Bienenhund.“ Die Idee, seiner Bolonkadame ein passendes Kostüm zu nähen, hat er bislang leider noch nicht umgesetzt.

Aber was nicht ist, dass kann ja noch werden.

KRZ-14-3-2019-Imker-Geggus-web.pdf

Dieser Internetauftritt setzt Cookies ein. Einige von ihnen sind essentiell und werden als Session-Cookies für die Bedienung dieses Webangebotes gesetzt. Andere dienen der anonymisierten Besucherauswertung und Optimierung des Angebotes. Mit Klick auf 'Cookies akzeptieren' erklären Sie sich einverstanden, dass weitere Cookies in Ihrem Browser hinterlegt werden. Bitte beachten Sie auch unser Impressum und die Datenschutzerklärung.